Kinderwunsch und
schwanger werden

 

 


Verfahren zur künstlichen Befruchtung 

 

 Bei der künstlichen Befruchtung haben sich folgende
3 Verfahren bei Kinderwunsch am meisten etabliert.
 
Erfahren Sie mehr über Vor- und Nachteile, wenn Sie mit diesen Methoden
  schwanger werden
möchten: 


1. Ovulationsinduktion


2. Intrauterine Insemination ( IUI )


3. In – vitro – Fertilisation ( IVF )


1. Ovulationsinduktion


 

Bei dieser Behandlung wird der Menstruationszyklus reguliert und ein Eisprung
ausgelöst.

In Frage kommen Frauen mit unregelmäßiger Periode, ausgelöst durch schwankende
Produktion der Hormonne FSH und LH. Bei sonst gesunden Fortpflanzungsorganen
ist eine Stimulation möglich damit der Eisprung regelmäßig statt findet und das Follikel

heranreifen kann.


Ziel dieser Behandlung ist es, den Eisprung mithilfe von Medikamenten in Gang zu bringen bzw. zu stimulieren. Einer der wichtigsten Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit ist das Ausbleiben des Eisprungs. Wenn kein Eisprung stattfindet,
kann auch keine Schwangerschaft entstehen.
Im Fall von Ovulationsproblemen ist der Zyklus in den meisten Fällen unregelmäßig
oder es treten überhaupt keine Menstruationsblutungen auf. Auch im Fall einer
kurzen zweiten Hälfte des Zyklus (Lutealphase) kann die Fruchtbarkeit vermindert sein.


Wenn nicht jeden Monat eine Eizelle aus den Eierstöcken freigesetzt wird, ist es
möglich, dem mit Hilfe von Medikamenten abzuhelfen. Dies wird als
Ovulationsinduktion bezeichnet. Diese Medikamente sind in Form von Tabletten, Injektionen oder einer kleinen Pumpe erhältlich. Der Arzt entscheidet, welche
Behandlung für ein Paar die am besten geeignete ist. Dies hängt unter anderem von
den zugrunde liegenden Ursachen für das Ausbleiben des Eisprungs ab.

Der Arzt wird für jedes Paar individuell entscheiden, was die beste Vorgehensweise ist.
In den meisten Fällen wird mit Tabletten (Wirkstoff: Clomifen) begonnen.
Die Reaktion der Eierstöcke auf dieses Medikament wird in der Klinik kontrolliert.
Wenn es im laufenden Monat nicht geglückt ist, einen Eisprung herbeizuführen,
kann die Dosierung im darauf folgenden Zyklus erhöht werden. Wenn es mit der maximalen Dosierung noch immer nicht klappt (‚clomifenresistent’), kann zu verschiedenen anderen Behandlungen übergegangen werden.

In vielen Fällen wird in diesem Stadium mit Gonadotropininjektionen begonnen. In manchen Fällen (PCOS) wird manchmal vorab noch ein anderes Medikament
(Metformin) an die Behandlung mit Clomifen angeschlossen oder ein operativer
Eingriff empfohlen. In manchen Fällen wird auch direkt mit den Injektionen begonnen. Auch in diesem Fall muss die erforderliche Dosierung im Einzelfall bestimmt werden.

Das Lebensalter der Frau, mit anderen Worten die Eierstockreserve, ist für den Erfolg mitbestimmend: Im Allgemeinen ist bei einem höheren Lebensalter auch eine leicht höhere Dosierung erforderlich, damit es zu einem Eisprung kommen kann.

Clomifen wirkt ihm Gehirn an den Rezeptoren des Östrogens. Dem Körper wird ein
zu niedriger Östrogengehalt im Blut vorgetäuscht. Hierdurch wird der Hypothalamus
angeregt mehr GnRH Hormon auszuschütten. Dadurch wird die Hirnanhangdrüse angeregt mehr LH und FSH auszuschütten. Als Folge davon reift eine Eizelle bis zum Eisprung heran.

 

Die Erfolgsrate liegt bei etwa 80 % in den ersten 3 Monaten

 

Allgemeine Risiken

Abgesehen davon, dass bestimmte Medikamente selbst zu möglichen Nebenwirkungen führen können, haben auch bestimmte Behandlungen gewisse Risiken. Diese Risiken haben folglich mehr mit der Wirkung als mit den Medikamenten selbst zu tun. Ein allgemeines Risiko bei diesen Behandlungen ist das Auftreten einer Überstimulation.
Darüber hinaus besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft.
 

Nebenwirkungen von Clomifen sind: Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Übelkeit, Wassereinlagerungen und Hitzewallungen.



2. IVF

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) für „Befruchtung im Glas“ – ist eine Methode zur
künstlichen Befruchtung. In Deutschland ist diese Behandlung zulässig, wenn bei
einem (Ehe-)Paar ein Jahr lang, trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr
die Schwangerschaft ausbleibt.

 

Klassische In-vitro-Fertilisation (IVF)

Die Eizellen werden mit dem aufbereiteten Sperma (natürliche Selektion der mobilen
und schnellen Spermien) in einem Reagenzglas zusammengebracht. Es findet eine
spontane Befruchtung statt.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Die ICSI wird bei gestörter Beweglichkeit der Spermien, Spermien-Antikörpern oder
sehr niedriger Spermienanzahl im Ejakulat verwendet. Eine weitere Indikation ist
die ausgebliebene Befruchtung bei der klassischen In-Vitro-Fertilisation (s. Oben) trotz
unauffälliger Samenparameter. Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium unter
mikroskopischer Sicht mittels eines Mikromanipulators in die vorbereitete Eizelle
injiziert.

Eine Sonderform stellt die Intracytoplasmic Morphologically Selected-Sperm Injection (IMSI) dar, bei der das verwendete Spermium unter einem hochauflösenden Mikroskop anhand des Aussehens ausgesucht wird. Ob der IMSI ein Nutzen zukommt, ist durch größere Studien bisher nicht belegt.

Testikuläre Spermien Extraktion mit ICSI (TESE-ICSI)

Dasselbe Vorgehen wie bei der ICSI, jedoch werden die Spermien nicht aus dem Ejakulat,
sondern aus einer Hodenbiopsie gewonnen. Verwendung findet es bei einem Verschluss der ableitenden Samenwege.

 

Ablauf der In - Vitro - Fertilisation

Spermien- und Eizellen-Gewinnung

 

Überprüfung auf Fehler im Erbgut: Bei Verdacht auf Vorliegen von Erbkrankheiten,
erfolgt im Regelfall eine Chromosomenuntersuchung, zur Feststellung schwerer vererbbarer Krankheiten (z.B. Mukoviszidose, die auf Fehlern in bestimmten
Chromosomen beruht).


 

Downregulation: Durch Gabe bestimmter Medikamente GnRH-Analoga/-Agonisten, GnRH-Antagonisten oder Anti-Baby-Pille wird die Eigentätigkeit der Eierstöcke gedrosselt, damit anschließend mehr als eine Eizelle zum Heranreifen gebracht
werden kann.

 

Ovarielle Stimulation: Durch Hormonbehandlung werden mehrere Eizellen zur Reifung gebracht. Die Frau spritzt sich ca. 15 Tage lang mit einem sog. Pen (Spritze)
das FSH (Follicle Stimulating Hormone) in einer festgelegten Dosis subkutan, d.h.
unter die Bauchdecke.

 

Überprüfung der Spermien: Die Spermien werden, auf Anzahl, Form, Beweglichkeit und Infektionen überprüft.

 

Überwachung des Follikelwachstums: Ab dem circa 3. Zyklustag werden
die Follikel mittels Ultraschall überwacht. Die Bauchdecke der Frau kann sich leicht anspannen.

 

Auslösung des Eisprungs: Die Ovulation der Eizellen wird durch das Hormon HCG ausgelöst.

 

Eizellenpunktion: Die Follikelflüssigkeit wird unter Vollnarkose transvaginal, ultraschallgesteuert mit einem stabförmigen Schallkopf, der mit einer Punktionsnadel versehen ist, aus den einzelnen Follikeln punktiert.

 

Spermiengewinnung: Spermien zur Befruchtung der Eizelle werden zumeist parallel zur Eizellenpunktion durch Masturbation oder einen mikrochirurgischen Eingriff
gewonnen.


  1.  Entnahme der Eizelle

  2 . Befruchtung der Eizelle mit einem Spermium

  3.  Aufbereiten der Probe

  4.  Einsatz in die Gebärmutter

 

Sozialrechtliche Situation in Deutschland

Bis zum Jahre 2003 kamen die gesetzlichen Krankenkassen für vier volle Behandlungszyklen auf, inzwischen werden nur noch drei zur Hälfte übernommen.
Die restlichen Kosten müssen selbst getragen werden.

Sozialrechtliche Situation in Österreich

Bei bestimmten Indikationen übernimmt der österreichische IVF-Fonds seit dem Jahr 2000 bei bis zu vier IVF-Behandlungen 70 Prozent der Arzneimittel- und Behandlungskosten. Tritt bei einer Behandlung eine Schwangerschaft bis zur achten Woche ein (Herzschlag muss am Ultraschall ersichtlich sein), dann können wieder bis zu vier Behandlungszyklen beansprucht werden. Des Weiteren ist im Gegensatz zu Deutschland, das die Blastozystenkultur auch unter den restriktiven Bedingungen des Embryonenschutzgesetzes rechtlich zulässt, in Österreich die weitere Kultivierung aller imprägnierten Eizellen und damit auch aller entstehenden Embryonen sowie die anschließende Embryoselektion erlaubt.

Sozialrechtliche Situation in der Schweiz

In der Schweiz werden die Kosten für eine In-vitro-Fertilisation nicht von der Krankenkasse übernommen. Einzig bei der Steuererklärung der Frau (des Ehepaars) besteht die Möglichkeit, die gesamten Auslagen als Krankheitskosten geltend zu machen und somit einen kleinen Teil der Ausgaben wieder einzusparen.

 

Gesundheitliche und psychische Probleme

Der Prozess einer IVF als sehr aufwendige Behandlung im Zuge einer künstlichen Befruchtung ist für beide beteiligten Partner eine starke Belastung.

 

Im psychischen Bereich stehen bei Mann und Frau gleichermaßen der –eventuell
langjährige– erfolglose Kinderwunsch sowie der Leistungsdruck im Vordergrund.
Der Kinderwunsch bzw. dessen Erfüllung liegt vermeintlich sehr nahe. Ohne
Schwangerschaft verlaufene Behandlungszyklen können bis hin zu Depressionen
führen. Im Extremfall kann die Beziehung auseinander brechen.


Im gesundheitlichen Bereich ist vor allem die Frau betroffen. Die notwendigen,
oftmals über Monate oder Jahre andauernden Hormonbehandlungen mit starken
Dosen können zu Gemütsschwankungen, Gewichtszunahme, Ödemen
( Wassereinlagerungen ) und gesteigertem Infarktrisiko führen.
 
Die Entnahme der Eizellen stellt eine Operation mit allen zugeordneten Risiken
(Infektion Verletzung innerer Organe etc.) dar. Die Tatsache, dass auch bei einer
vom Mann verursachten Kinderlosigkeit die Frau den körperlichen und medizinischen
Hauptaufwand trägt, kann wiederum zu psychischem Druck und partnerschaftlichen
Problemen führen.

Trotz dieses Problemkomplexes ist oft zu beobachten, dass Paare bei anhaltendem
Misserfolg dennoch immer wieder die Strapazen einer erneuten Behandlungen auf
sich nehmen, auch auf eigene Kosten. Beendet wird dies dann nur noch durch
Resignation, Erschöpfung der finanziellen Mittel oder Ablehnung der behandelnden
Ärzte aufgrund zu hohen Risikos oder keinerlei Erfolgsaussicht.

 

Erfolgsaussichten

Die Erfolgsaussichten bei der IVF sind stark von unterschiedlichen Faktoren abhängig,
wie z.B. dem Alter der Frau, der Anzahl der befruchteten Embryonen und ähnlichem.
Auch die psychische Belastung bei Maßnahmen wie der IVF sollte nicht unterschätzt werden und kann die Erfolgsaussichten beeinflussen.

Unabhängige statistische Untersuchungen werden jährlich im deutschen IVF-Register veröffentlicht. Global lässt sich sagen, dass für ca. 40 Prozent der Paare die IVF
erfolgreich verläuft (wobei hierfür mehrere IVF-Zyklen notwendig sind). In
Deutschland wird ca. jedes 80. Kind per IVF gezeugt, jedes zehnte Paar benötigt
ärztliche Unterstützung bei der Erfüllung des Kinderwunsches

Untersuchungen ergaben, dass Kinder aus IVF theoretisch eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, an genetisch bedingten Störungen zu erkranken. Die vermuteten Zahlen konnten in der Praxis zum Teil nachvollzogen werden.
So erkranken Kinder, die durch eine künstliche Befruchtung gezeugt wurden,
drei- bis sechsmal häufiger am Größenwuchs-Syndrom als natürlich gezeugte Kinder.


3. Intrauterine Insemination

Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn die Ovulationsinduktion durch Clomifen
keinen Erfolg bringt.

Bei folgenden Fruchtbarkeitsproblemen kann sie helfen:

- schlechter Spermienqualität
- gestörtem Zervixschleim
- hoher FSH – Spiegel
- eventuell auch Endometriose


Bei der intrauterinen Insemination werden die gewonnenen Samenzellen die im Labor gereinigt und selektiert wurden, mittels Katheder zum Zeitpunkt des Konzeptions- optimums in die Gebärmutterhöhle übertragen, somit den herangereiften Eizellen am nächsten. Der vermutliche Zeitpunkt des Eisprungs wird vorher mittels Hormon- und Ultraschalluntersuchung abgeschätzt. Oft werden die Eizellreifung und der Eisprung medikamentös herbeigeführt.


Die Methode hat eine Erfolgsquote von etwa 10 – 15 % je Zyklus wenn zusätzlich
Clomifen eingenommen wird. Allein sind es etwa 10 %.

Bleibt der Erfolg aus wird eine neue Stufe der Behandlung hinzugenommen.
Allerdings sind dann die Medikamente auch stärker und haben mehr Nebenwirkungen.